Kirchenrestauration Ernen


Vorbemerkungen

Nach einiger Zeit der Vorbereitungen hat am Osterdienstag nun offiziell unsere Kirchenrenovation begonnen. Wobei: Eigentlich sollte es nicht "Renovation", sondern "Restauration" heissen. Denn es geht nicht um eine "Erneuerung", sondern um eine Instandstellung mit kleineren betrieblichen Verbesserungen im Bereich der Sakristei und der Technik. Dieser Restauration verläuft in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, da unsere Pfarrkirche von "nationaler Bedeutung" ist. Grob gesagt wird im Jahr 2017 die Aussenhülle instand gesetzt, 2018 folgen dann die Innenarbeiten. In diesem Zusammenhang werden wir im nächsten Jahr für einige Zeit eine Ersatzlösung suchen müssen für die Gottesdienste. Soweit möglich werden bei den Arbeiten lokale Unternehmungen berücksichtigt.

Dach

Ein wichtiger Bereich betrifft das Dach und den Dachstuhl. Die Schindeln sind an verschiedenen Stellen stark abgenützt und teilweise beschädigt. An einigen Orten ist das Dach sogar undicht, so dass bei stärkeren Regenfällen Wasser eingetreten ist. Zudem ist die Dämmung der Zwischendecke momentan nur sehr rudimentär ausgeführt.
Geplant ist nun der Ersatz der Schindeln und eine neue Dämmung der Zwischendecke. Eine Rückkehr zu einem Kupferdach erscheint aus denkmalschützerischen Überlegungen weder sinnvoll noch notwendig. Die Federschindeln aus einheimischem Lärchenholz des Forstreviers Goms haben bei richtiger Anwendung eine Lebensdauer von gegen 100 Jahren. Sie werden von einer Spezialfirma nach alter Bauart aus dem 16. Jahrhundert von Hand gespalten und auch handgenagelt sorgfältig auf dem Dach montiert. Überschlagsmässig gerechnet werden für das Kirchendach rund 240'000 Schindeln benötigt, die ein Gewicht von gegen 21 Tonnen auf die Wage bringen. Dazu kommt noch fast eine Tonne für die Nägel.
All dieses Material wird in den nächsten rund anderthalb Jahren auf dem Kirchendach verbaut werden. Dieses Jahr beginnen wir im Bereich des Kirchenschiffs, im Frühling 2018 folgt dann der Chorbereich. Nicht gewechselt werden die Schindeln des Kirchenturms, die in den Achtzigerjahren nach dem Blitzeinschlag vollständig erneuert wurden und sich noch in einem recht guten Zustand befinden.

Fassadensanierung

Parallel zur Dachsanierung wird die Aussenhülle der Kirche saniert. In der zweiten Aprilhälfte sind dazu die Aufbauarbeiten für das Aussengerüst geplant. Im Mai und Juni werden die Tuffsteineinfassungen der Fenster und Tuffsteinabdeckungen der Streben im Chorbereich instand gesetzt, kleinere Stücke ersetzt und reprofiliert. Bei exponierten Oberflächen werden die Poren gefüllt, damit das Wasser in Zukunft weniger aufgesogen wird.
Im gleichen Durchgang wird der Verputz saniert. Insgesamt werden rund 125 Laufmeter an Rissen mit einem Kalk-Zement-Mörtel ausgebessert, die sich teilweise unter dem Dachüberhang befinden. Auch der grosse gut sichtbare statische Riss in der Westfassade wird repariert. Dieser ist laut Expertenmeinung bei der Kirchenrenovation in den Sechzigerjahren entstanden, als die eisernen Zugbänden im Deckenbereich durchtrennt und nach Verstärkung der Dachkonstruktion schliesslich entfernt wurden. Um einer neuen Rissbildung in der Eingangsfassade vorzubeugen, wird im Bereich der Empore hinter der Orgel ein neues Zugband eingesetzt, das die Seitenmauern zusätzlich stabilisieren soll.
Erstaunlicherweise verfügen die Aussenmauern über keinen Anstrich. Zum Schutz der Mauern werden diese im Rahmen der Sanierung dreimal mit reiner Sumpfkalkfarbe gestrichen, 2017 im Kirchenschiffbereich und 2018 im Chorbereich (analog dem Ersatz der Dachschindeln).
Um allfälligen Feuchtigkeitsschäden im Fundament vorzubeugen ist rund um die Kirche eine rund 30 cm breite Drainage mittels einer Kiesstreifengrube vorgesehen, welche der Belüftung der Fassade dient und an den Abfluss des Dachwassers angeschlossen wird.
Zugleich wird auch der Blitzschutz verbessert und die Nische mit Muttergottesstatue an der Südwestecke aufgefrischt. Die Bleifenster werden ausgebessert und allfällige Schäden repariert.

Kirchturm

Im Kirchenturm sind keine grössere Arbeiten geplant. Jedoch werden die Treppen punktuell repariert, die Fensterläden aufgefrischt, elektrische Leitungen ersetzen und ein demontierbares Geländer bei den Bodenöffnungen als Absturzsicherung eingebaut. Im Glockenstuhl selber sind lediglich kleinere Reparaturen geplant. Das schützenswerte Carillon bleibt im aktuellen Zustand. Eventuell wird das Zifferblatt der Turmuhr saniert, wenn in diesem Bereich 2018 das Gerüst aufgebaut sein wird.

Heizung

Eine spürbare Verbesserung für die Gottesdienstbesucher soll durch die Erneuerung der Heizung erreicht werden. Diese ist für 2018 geplant und beinhaltet neben dem Ersatz der Steuerung auch den Wechsel von elektrischer Wärmeerzeugung zur Nutzung der Fernwärme. Die Zugangsleitungen dazu sind bereits bis in den Keller verlegt.

Arbeiten 2018

Im Laufe des Jahres 2018 (und unter Umständen 2019) folgen weitere Arbeiten wie der Ersatz des in die Jahre gekommenen Elektrotableaus, der Beleuchtung und der Alarmanlage. Die vereinzelten Schäden an den Innenmauern werden ausgebessert und falls das Geld reicht die Kirchenbänke sanft aufgefrischt. Ein Ersatz dieser ist nicht vorgesehen! Ebenso sind im Kirchenmuseum lediglich kleinere Unterhaltsarbeiten vorgesehen, unter anderem bei den Schubladen der Messgewänder. Ansonsten bleibt das Kirchenmuseum entgegen anders lautenden Gerüchten in der Kirche! An dieser Stelle möchten wir noch betonen, dass man sich bei Fragen gerne direkt an den ortsansässigen Architekten Pascal Abgottspon wenden kann, der jederzeit über den aktuellen Verlauf und die geplanten Arbeiten informiert. Nach Abschluss aller anderen Arbeiten werden schliesslich noch die Altäre und Statuen abgestaubt, auf denen sich in den letzten Jahrzehnten eine beträchtliche Staubschicht angesammelt hat.

Finanzen

Schliesslich noch kurz zum nicht unwesentlichen Punkt der Finanzierung. Zum heutigen Zeitpunkt rechnen wir mit Gesamtkosten von rund 2 Mio CHF. Wesentliche Beiträge sind bereits zugesagt von Seiten der Loterie Romand, von Kanton und Bund (Denkmalpflege), von der Gemeinde Ernen und von der Inländischen Mission. Von Firmen, Stiftungen, Privatpersonen und dem Erlös vom Suppentag sind bis im Herbst 2017 Spenden in Höhe von rund 79'000 CHF eingegangen. Je nach Umfang der Bauarbeiten und den noch ausstehenden Offerten fehlt aber immer noch knapp eine Million Schweizerfranken. Wir sind deshalb weiterhin auf Spenden angewiesen und danken alle, die uns unterstützen ganz herzlich für jede Hilfe!